Naturwelten Steiermark / Jänner 2026
Ende Jänner 2026 wurden die Naturwelten Steiermark in Mixnitz einmal mehr zum Treffpunkt von Fachleuten, Praktikern und Interessierten Jäger:innen: Über 200 Teilnehmer:innen folgten der Einladung zur Fachtagung „Rehwild – wohin?“. Das große Interesse zeigte deutlich, wie aktuell die Herausforderungen rund um Rehwild, Waldentwicklung und Jagd sind.
Im Zentrum der Tagung stand eine zentrale Erkenntnis: Wald und Wild sind keine Gegenspieler, sondern Teil eines dynamischen Gesamtsystems. Klassische, einfache Antworten – etwa rein über Bestandszahlen oder Abschusshöhen – greifen zunehmend zu kurz.
Aktuelle Analysen zeigen, dass sich die europäischen Wälder in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben. Störungen durch Windwurf, Trockenheit, Borkenkäfer oder auch Nutzungseinflüsse treten häufiger auf und verändern die Struktur des Waldes nachhaltig. Was oft zunächst als Schaden wahrgenommen wird, hat aus ökologischer Sicht eine wichtige Funktion: Wo sich das Kronendach öffnet, entstehen neue Lebensräume mit mehr Licht, Raum und Vegetation.
Gerade für Pflanzenfresser wie das Rehwild bedeutet das ein deutlich verbessertes Nahrungsangebot – ein Aspekt, der in der Diskussion häufig unterschätzt wird.
Die Vorträge zeigten eindrucksvoll, dass solche Störungsflächen eine Schlüsselrolle spielen. Sie schaffen nicht nur Nahrung, sondern auch Deckung – und damit attraktive Lebensräume. Untersuchungen belegen, dass Wildtiere diese Flächen intensiver und gleichmäßiger nutzen.
Ein wichtiger Punkt dabei: Lebensraumstruktur ist oft entscheidender als reine Wilddichte.
In strukturreichen Landschaften mit Übergängen („Randlinien“) kann die gleiche Anzahl an Tieren ganz unterschiedliche Auswirkungen haben.
Zudem beeinflusst menschlicher Nutzungsdruck – insbesondere Jagd – das Verhalten der Tiere erheblich. In stark bejagten Gebieten steigt der Energieverbrauch, da Tiere häufiger ausweichen müssen. In störungsärmeren Bereichen hingegen können sie effizienter leben, was sich unter anderem in besserer körperlicher Kondition widerspiegelt.
Auch der Einfluss des Klimawandels und veränderter Waldbewirtschaftung wurde intensiv diskutiert. Hitzeperioden, Sturmschäden und Schädlingsbefall führen zu neuen Waldstrukturen – und damit zu veränderten Bedingungen für das Rehwild.
Zusätzlich spielen große Beutegreifer wie Wolf, Luchs und Goldschakal eine zunehmend wichtige Rolle im Ökosystem. Ihr Einfluss verändert nicht nur Bestände, sondern auch das Verhalten des Wildes.
Eröffnet wurde die Tagung von Hubert Hödl, moderiert von Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau und Dr. Hubert Zeiler. Hochkarätige Referenten wie Prof. Andreas Zedrosser und DI Christian Matitz brachten wissenschaftliche und praktische Perspektiven zusammen.
Der intensive Austausch machte deutlich: Die Zukunft liegt in einem vernetzten Denken, das Wildbiologie, Waldentwicklung und menschliche Nutzung gemeinsam betrachtet.
Die Tagung in Mixnitz setzte ein starkes Zeichen für einen modernen, verantwortungsvollen Umgang mit Wild und Lebensraum. Anstelle von Schwarz-Weiß-Debatten braucht es:
differenzierte Betrachtungen statt einfacher Kennzahlen
Verständnis für ökologische Zusammenhänge
Zusammenarbeit zwischen Jagd, Forst und Wissenschaft
Oder anders gesagt:
Die Frage „Rehwild – wohin?“ lässt sich nur beantworten, wenn wir den Wald als lebendiges, sich ständig veränderndes System begreifen.
Das Forum Mixnitz hat eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig dieser Dialog ist – und dass er aktiv gelebt wird.
Alle Weiterbildungen & Seminare zum Thema Jagd, Natur, Wild & Wald finden Sie hier in unserem Kursprogramm – direkt online buchbar!